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Musik- und Tanztradition  

Zusammenstellung/Übersetzung: Dimitri Ioannou/Monika Weiland

Folkloremusik und -tänze von Almopia sind ein Bestandteil der Tradition des großen makedonischen Reiches von Philipp II und Alexander dem Großen. Nachdem die griechisch-christliche Kultur das antike Griechentum abgelöst hatte, fand nach und nach eine Reformierung aller kulturellen Lebensbereiche statt, wobei die alten Traditionen in die neue griechisch-christliche Realität eingebunden und angepasst wurden.

 
Die griechisch-makedonische Bevölkerung bewahrt bis heute einen außergewöhnlichen Reichtum an Traditionen, Musiken und Tänzen in all ihren regional unterschiedlichen stilistischen, rhythmischen und variantenreichen Eigenheiten. Die von Ort zu Ort wechselnden Tempi der Tanzmusiken und der Tänze selbst stellen ganz unterschiedliche Anforderungen an das Können und das Einfühlungsvermögen der jeweiligen TänzerInnen, die ihrerseits – je nach Temperament und tänzerischer Erfahrung – mannigfache Interpretationen darbieten. Die allen gemeinsamen Elemente, die sich nicht verändern, sind das Thema der Musik und die Gesamtbewegung des Tanzes im Allgemeinen. Die Sensibilität der makedonischen Bevölkerung für ihre eigene Region, die in der von Ort zu Ort unterschiedlichen Qualität von Musik- und Tanzstil spürbar wird, kommt auf einzigartige Weise in den Tänzen der Provinz Almopia und der Region Florina zum Ausdruck. Dieser Stil zeitigt typische Elemente, die die Identität geschlossener Gemeinschaften ausmachen.
 
Die Folklore Nordwestmakedoniens ist außerordentlich reich an unerforschten und nicht publizierten Spielarten von Musiken. Immer wieder werden theoretische Abhandlungen über die Besonderheiten dieser Region verfasst, die jedoch oft irreführend sind, weil die Autoren mit dieser musikalischen Tradition wenig vertraut sind bzw. nur wenig Erfahrung mit ihren komplexen Rhythmen haben. Nach den Fachleuten zählen zu den wichtigen metrischen Figuren der Melodien dieses Gebietes viele besonders komplizierte Taktfolgen mit 8er, 9er, 10er, 11er, 12er und 15er Metrum, die aber aufgrund ihres hohen Tempos oft nur schwer zu identifizieren und voneinander abgrenzbar sind. Die einheimischen Folkloremusiker fühlen die Musik und tragen sie geschickt und richtig vor, können aber die den Rhythmus einer Melodie ebenfalls nicht theoretisch erfassen und niederschreiben. Und deshalb verfügen wir speziell für diese Tanzmusiken über keine musikalischen Aufzeichnungen.
 
Ebensowenig gibt es hinreichende Tanzbeschreibungen. Beinahe alle Tänze von Almopia beginnen langsam und ruhig und entwickeln sich in der Folge zu schnellen und sehr schnellen Tänzen. Wenn der Tänzer der Tanzmelodie folgt, gerät er in Begeisterung und Verzückung, um gleich darauf wieder ruhiger zu werden, als sei nichts geschehen. Dieser Wechsel zwischen ruhigen Phasen und extremer Dynamik in den Tänzen spiegelt die leidvolle Geschichte der Makedonier wider: Während der Besetzung der Ebene von Almopia durch die Turkvölker fand die einheimische Bevölkerung Schutz in den umgebenden Berghängen, unter den Schatten der Berge Kaimáktsalen und Tzéna. Sie verharrten dort, schweigend und verfolgt, gleichwohl stets angespannt und kampfbereit. Die häufigen Invasionen der Besatzer aus der Ebene (Aridea) zwangen sie, schnell und dynamisch zu reagieren.
 
Die makedonische Bevölkerung hat in den vergangenen Jahrhunderten unmenschliches Leid erfahren. Und wären die Menschen nicht so tief in ihrer Heimat verwurzelt gewesen, hätten sie die mörderischen Überfälle, die sich immer wieder auf diesem Territorium ereigneten, sicherlich hinweggefegt. Das Gebiet war ebenso Schlachtfeld kriegerischer Auseinandersetzen von drei Weltreichen (das römische – das byzantinische – das osmanische) wie auch umstrittener Schauplatz politischer und ethnischer Ansprüche (die Makedonienfrage). Bürgerkriege, Zwistigkeiten, Hetzkampagnen und Ausbeutung hatten das makedonische Volk, obwohl es einen harten Überlebenskampf gewohnt war, erschöpft. Die einzigen kulturellen Aktivitäten, die über den Zeitraum vieler Jahrhunderte Bestand hatten, waren Feste und Tänze. Die Makedonier suchten im Tanz Erholung und Entspannung von Furcht und Unterdrückung. Sie brauchten Abstand von der schwierigen, ständig wechselnden politischen Situation, die seit langer Zeit ihr Land beherrschte. Heute noch sagen die älteren Leute, wenn sie sich beim Tanzen völlig verausgabt haben:

"Ich tanze mit meinem Herzen und meinem Blut,
und nun habe ich für sechs Monate genug."

 
Musik und Tänze wurden in den vergangenen Zeiten nicht in derselben Weise wie heute gelehrt. Früher war es jeder einzelne gewohnt, entsprechend eigenen Geschmack und persönlichen Temperament einen kreativen Beitrag zur Vollendung von Musik und Tanz zu leisten, in dem er stets (besonders die Männer) eine Art tänzerischen Heroismus zum Ausdruck brachte (Gáida, Tikféska, Pousidnítsa etc.). Tanz und Musik von Almopia bildeten – hauptsächlich durch die Tänzer selbst – eine sich mit demselben Ausdruck bewegende Einheit. Bei den meisten Tänzen gabt es keinen Vortänzer. Alle Tänzer bewegten sich mit demselben starken Willen und demselben tänzerischen Impuls, die sie ebenso für die Musik wie für den lebhaften Rhythmus empfänglich machten (Tríta Páta, Stánkena, Patrúla etc.).
 
Heutzutage provozieren der makedonische Tanz und die Musik intensive Gefühle der Freude und der Begeisterung, der Trauer und des Schmerzes sowie subtile, unbeständige Gefähle wie Sehnsucht und Zweifel, Optimismus und Selbstvertrauen. Die älteren Menschen in Almopia erleben Tänze, Bräuche und Feste mit großen Gemütsbewegungen. Sie wecken in ihnen den unbändigen Wunsch, neue Kontakte zu knüpfen und neue Leute kennen zu lernen, sind somit Quelle für immer neue Geselligkeit.
 
 

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