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Pontische
Tänze
Zusammenstellung:
Monika Weiland
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Es
gibt sehr viele pontische Tänze, und immer noch werden neue
entdeckt oder besondere Variationen gefunden. Wir möchten
an dieser Stelle einen kleinen Einblick in Geschichte und Hintergründiges
zum Thema Tanz allgemein und zu pontischen Tänzen im Besonderen
ermöglichen und eine kleine Auswahl von Tänzen, die
bei Jannis besonders oft getanzt werden, detaillierter vorstellen:
Geschichte Hintergründe Aktuelles
Apó pan ke ka
Dipát (Trapesuntischer Omál)
Elmatsúk oder Almatsúk
Empropís
(Kerasúntischer Omál)
Juwalántum und Armenítsa
Kiséla
oder Anephorítsa
Kots
Kotsagél
Kótsari
Lets Letsína
Milítsa
Omál
Patúla oder Pipilomátena
Pyrrhíchios
oder Sérra oder Masér
Sampsón
Saríkus
Seranítsa
Tik
Trygóna
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| Geschichte
Hintergründe Aktuelles
Der Tanz gilt
als eine der wichtigsten und ursprünglichsten Ausdrucksformen
in der Kunst. Er ist das Medium, mit dem das Volk Geschehnisse
und Besonderheiten des täglichen Lebens künstlerisch
darstellt. Tanz als gesellschaftlicher Ausdruck findet sich in
allen Gesellschaftsschichten, ist jedoch ganz besonders bei der
Landbevölkerung ausgeprägt und kultiviert.
Die pontischen Tänze haben ihren Ursprung direkt in den Tänzen
des antiken Griechenland, die vielfach bestimmten Gottheiten gewidmet
waren. Sie sind Gesellschaftstänze, die je nach Anlass
unterschiedliche tänzerische Schwerpunkte aufweisen;
sie werden in kriegerische, religiös-rituelle und friedliche
Tänze unterschieden. Ihr geselliger Charakter zeigt sich
darin, dass es Kreis- und Gruppentänze sind. Sie haben eine
große Bedeutung für das pontische Volk, weil sie halfen,
seine Tradition und Identität zu erhalten, sowohl im Pontos
während der Besetzung durch die Osmanen (bis 1922), als auch
in Griechenland, wo sich die Pontier nach der "Entwurzelung"
Anfang der Zwanzigerjahre ansiedelten.
Im Pontos war der Tanz stets eng mit dem alltäglichen Leben
verbunden. Es gab kein Ereignis, das nicht von Tanz begleitet
war. Er diente nicht nur dem Vergnügen, sondern einigte das
Volk während der Unterdrückung durch osmanische Herrscher,
indem er identitätsstiftend wirkte.
An den pontischen Tänzen nimmt, zusammen mit dem tanzenden
Volk, auch der Lyraspieler teil. Bei den Tänzen, die von
seinem Lied begleitet werden, tanzt auch er selbst mit seiner
Lyra. Er läuft von einem Ende zum anderen, von einem Tänzer
zum anderen, er springt im Rhythmus mit den Tänzern und zeigt
sich von einer unbeherrschten, enthusiastischen, dionysischen
Seite. Die Pontier haben Rhythmus im Blut, daher sind auch viele
ihrer Tänze rhythmisch und lebhaft.
Die meisten pontischen Tänze waren reine Männer- oder
Frauentänze. Es gab nur wenige gemischte Tänze, die
auch nur zu bestimmten Anlässen getanzt wurden. Zum Beispiel
Kotsagél, der
bei einer Hochzeit als letzter Tanz von allen Verwandten des Brautpaares
getanzt wird, oder bei den sogenannten Kodespiniaká-Tänzen,
die so hießen, weil sie von den erwachsenen Männern
und Frauen getanzt und manchmal sogar von einer Frau angeführt
wurden (Kodéspina = Hausherrin). Zu den Kodespiniaká
gehören der Omál,
der Dipát
und der Tik. Heute
werden alle Tänze gemischt getanzt, mit Ausnahme von Pyrrhíchios,
der nur von Männern (oder Frauen in der Männertracht)
getanzt wurde und wird.
Der größte Teil der pontischen Gesellschaft war bäurisch.
Natürlich drückten sich viele Aspekte des pontischen
landwirtschaftlichen Lebens in den Tänzen aus. So kennen
wir viele friedliche Bauerntänze, z.B. Trygóna,
Kótsari, Saríkus. Die religiös-rituellen
Tänze offenbarten die Treue der Pontier zu ihren Sitten und
Gebräuchen und den Respekt vor den Werten der Gesellschaft,
in der sie lebten. Zu den religiös-rituellen Tänzen
gehören die Hochzeitstänze wie z.B. Thímisma
und Kotsagél.
Der einzige kriegerische Tanz ist der Pyrrhíchios.
In schwierigen Situationen einigte der Tanz die Pontier und gab
ihnen Kraft.
Der pontische Tanz ist ein Gruppentanz, und es gibt keine Standort-
oder Klassenunterschiede, keinen Besten oder Schlechtesten. Der
Kreis der Tänzer vereinigte alle zusammen und das "ich"
verschmolz im "wir". Der Erste wird zum Letzten und
der Letzte zum Ersten im Tanzkreis. Der pontische Tänzer
strebt nicht danach, sich besonders hervorzuheben, wie es bei
anderen, nicht pontischen Tänzen geschieht, aber er erstrebt
den Aufstieg und die Auszeichnung der ganzen Gruppen durch eine
gute Zusammenarbeit. In einer pontischen Tanzgruppe spricht man
nicht davon, dass ein Einzelner besonders gut ist, sondern wie
gut die Gruppe in ihrer Gänze tanzt, weil ein jeder Mitglied
der Gemeinschaft und dadurch verpflichtet ist, durch seine Teilnahme
einen Beitrag zum harmonischen Erscheinungsbild der Gruppe zu
leisten.
Offiziell werden heute 50 bis 80 pontische Tänze gezählt.
Einige von ihnen sind weit verbreitet und wurden und werden überall
getanzt, aber es gibt auch solche, die kaum bekannt sind. Jede
Region des Pontos hatte ihre eigenen spezifisch-regionalen Tänze.
Im Pontos herrschten sehr unterschiedliche Klimaverhältnisse,
die den Stil der Tänze deutlich beeinflussten: Der Charakter
der Städte und Dörfer, die an den Gestaden des Schwarzen
Meeres lagen, war ganz anders als der der Siedlungen an der pontischen
Mittelmeerregion, deren Landschaftsbild überwiegend von Gebirgen
geprägt war. Ob Binnenküste, im Gebirge oder am Mittelmeer,
ja sogar von Landstrich zu Landstrich lassen sich unterschiediche
Tanzstile beobachten: So wurde ein und derselbe Tanz in verschiedenen
Gebieten mit unterschiedlichem Stil getanzt, entsprechend den
unterschiedlichen klimatischen, landwirtschaftlichen und ethnisch
bedingten Einflüssen im Westen und im Osten des Pontos. Die
Tänze im Osten und über die Grenzen des Pontos im Kaukasus
hinaus weisen häufig schnelle Rhythmen und temperamentvolle
Schritte auf, während die Tänze an den Ufern des Schwarzen
Meeres eher ruhig und getragen waren. Es gab natürlich auch
spezielle lokale Tänze, die ausschließlich in bestimmten
Dörfern und Gegenden bekannt waren und getanzt wurden. Oft
tragen sie den Namen dieser Orte. Der Tanz Támsara
z.B. wurde in dem gleichnamigen, in der Nähe von Nikópolis
gelegenen Dorf getanzt. In diesem Dorf lebten Griechen, Osmanen
und Armenier nebeneinander. Und wie pontischen Tanz Támsara,
gibt es entsprechend auch einen osmanischen und einen armenischen
Tanz des selben Namens, die sich jedoch sowohl in der Musik als
auch in den Schritten deutlich voneinander unterscheiden..
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| Apó
pan ke ka
Ein
Tanz aus der Gegend Ak-Dag-Matén, was "Bergwerk des
weißen Berges" bedeutet. Die Einwohner besiedelten
dieses Gebiet nach der Schließung der Bergwerke von "Arjyrúpoli".
Der Tanz basiert auf dem "Tik" und stellt eine der vielen
regionalen Adaptionen dar.
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| Dipát
(Trapesundéikon Omál)
Ein
langsamer Tanz für alle PontierInnen, der zu jeder Gelegenheit
und mit großer Würde getanzt wird. Der Name "Dipát"
wird zurückgeführt auf "dyo patímata"
= zwei Schritte, was sowohl auf den langsam schreitenden Tanzstil
als auch auf die letzten beiden Schritte einer Schrittfolge verweist.
Die Tanzenden bewegen sich hauptsächlich zur Kreismitte und
wieder zurück, sodass der offene Kreis sich nicht, wie sonst
häufig der Fall, weiterbewegt. Traditionellerweise stehen
die Musiker in der Kreismitte und singen die Strophen vor, die
dann von den TänzerInnen wiederholt werden.
Er gehört zu den Hochzeitstänzen. Mit dieser Musik verlässt
der Bräutigam das Haus, um seine Braut abzuholen und von
dort in die Kirche zu gehen.
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| Elmatsúk
oder Armatsúk
Diesen Bauerntanz tanzten die Pontier aus dem Kaukasus und aus
Sewástia. Der Name des Tanzes ist türkisch: "Élma"
heißt Apfel und "Elmatsúk" ist der kleine
Apfel, das Äpfelchen.
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| Empropís
(Kerasuntéikon Omál)
Schon in den alten Schriften wird erwähnt, dass der Syrtós
schon immer in ganz Griechenland zu den regional typischen Musiken
in unterschiedlichen Spielarten getanzt wurde so wie wir
es auch heute kennen. Empropís gilt als der pontische Syrtós,
dessen Musik allerdings, im Gegensatz zum üblichen 2/4-Takt
des Syrtós (der 7/8-Takt des Kalamatianós ist eine
Ausnahme) im 9/8-Takt gespielt wird. Im Gegensatz zum typischen
Syrtós-Rhythmus "lang kurz kurz"
gibt der pontische Syrtós "lang kurz
lang" vor.
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| Ju(r)walándum
und Armenítsa
Dieser Tanz ist aus Ak-Dag-Matén und Sewástia bekannt.
Er wird eng untergehakt in weit ausholenden Schlangenlinien oder
in Spiralform getanzt auf Zuruf vorwärts oder rückwärts.
Armenítsa, eine Spielart des Juwalándum, wurde zur
selben Musik in Matsúka südlich von Trapesúnt
getanzt.
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| Kiséla
oder Anephorítsa
Kiséla
ist ein Hirtentanz aus der pontischen Region von Matsúkas
südlich von Trapesúnt. Ähnlich wie im
Deutschen die Liesl ist Kiséla ein häufiger
Ruf- oder Kosename für Kühe. Bei Aufführungen bildet
dieser Tanz heute oft den ersten Teil einer Suite von drei Tänzen,
bestehend aus "Kiséla Kalón Koríts
Seranítsa".
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| Kots
Dieser
Frauentanz wurde in ganz Pontos getanzt. Bezeichnend für
diesen Tanz ist, dass zweimal betont die Ferse aufgesetzt wird:
"sto kots". "Kots" ist das pontische Wort
für Ferse und hat dem Tanz seinen Namen gegeben.
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| Kotsangél
Der
Kotsagél ist der pontische Labyrinth-Tanz. Labyrinth-Tänze
werden in ganz Griechenland in unterschiedlichen Variationen getanzt.
Der Tanz verdankt seinen Namen dem Labyrinth der Minoischen Paläste.
Die Wurzeln dieser Tänze liegen weit in der Vergangenheit.
Sie werden mit der Schlange in Verbindung gebracht, der Schutzgöttin
des Hauses. Der pontische Labyrinth-Tanz, der Kotsagél,
zeichnet die Form eines "U" nach, die rechte Hand des
ersten Tänzers ist hoch erhoben und symbolisiert den Kopf
der Schlange. Dieser Tanz wird am letzten Tag der Hochzeit von
den Verwandten von Braut und Bräutigam getanzt; so werden
beide Familien in einem Kreis vereint.
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| Kótsari
Dieser Tanz wird von der Landbevölkerung im Süden des
Pontos getanzt, speziell von den Pontosgriechen des Kaukasus.
Sein Name bezeichnet das pontische Wort für Widder, den Ziegenbock,
das heilige Tier in der Dionysos-Verehrung. Die schnellen, federnden,
beidfüßigen Bewegungen der TänzerInnen erinnern
an die Sprünge der Ziegenböcke in der Brunft, zu Frühlingsanfang,
der Zeit der religiösen Verehrung des Dionysos. An die Verehrung
des Gottes, der ursprünglich der Patron der Bauern war, erinnern
auch die ersten Schritte des Tanzes, die schon in der Antike bei
Aufführungen von den Tänzern ausgeführt wurden,
um auf die Bühne zu kommen.
"Stamátima",
eine typische Figur im Kótsari, ein kurzes "Verhalten"
im Verlauf des Tanzes, gilt als ein Element der antiken religiösen
Verehrung und ist bis heute in der pontischen Tanztradition erhalten
geblieben. Während ihrer magischen Gottesdienste stoppten
die Tänzer plötzlich, um dann erneut zu beginnen mit
dem Ziel, die Aufmerksamkeit der Zuschauer oder der angebeteten
Gottheit zu erringen.
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| Lets
Letsína
Letsína
ist der Tanz der Pontosgriechen aus dem Kaukasus. Er zeitigt das
höchste Tempo von allen pontischen Tänzen und wird sehr
temperamentvoll und mit hohen Schritten getanzt. Es gibt eine
langsame Variante namens Lets oder Létsi, die gerne dem
temporeichen Letsína sozusagen als Einleitung vorangeht.
Es gibt eine Interpretation, nach der Lets und Letsina ein Falkenpaar
sind (das türkische Wort lecin bedeutet Falke); Lets ist
das behäbigere Männchen und Letsína das flinkere
Weibchen womit die verschiedenen Temperamente der beiden
Tanzversionen erklärt werden. Diese Sichtweise ist naheliegend,
jedoch nicht verbürgt.
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| Milítsa
Milítsa
kommt von Mílo (Apfel) und bedeutet "kleiner Apfel".
Es ist ein Frauentanz, der im geschlossenen Kreis zu einer ganz
bestimmten Melodie ohne Liedtext getanzt wird.
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| Miteritsa
Dieser Tanz kam
aus Europa und hat neugriechischen Liedtext. Er wurde in den Städten
am Meer und den Salons von Trapesúnt getanzt. Er gilt als
Liebestanz, durch den jeder erkannte, wer wen liebte. Seinen Namen
hat er aus dem im Lied besungenen Mädchen:
Meine süße Miterítsa
Ich habe eine Liebste
weiß, weiß wie Milch
weich wie Watte
Er wird im Kreis getanzt, wobei ein Tänzer pro Durchlauf vor
einer Tänzerin stehen bleibt, sie begrüßt, zum Tanz
auffordert, mit ihr eine Runde dreht und sie wieder an ihren Platz
zurückbegleitet. |
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| Omál
Der
Omál mit seinen sechs Schritten und einem einfachen musikalischen
Rhythmus gleichwohl jedoch mit sehr abwechslungsreichen
Musiken und Liedern ist der vielleicht bekannteste und
verbreitetste pontische Tanz. Für jeden Tänzer, der
pontische Tänze erlernen möchte, gehört er
zusammen mit "Dipát" und "Tik" zu den
Grundlagentänzen.
Die Schritte sind leicht zu erlernen, dennoch gehört auch
hier das typisch pontische Federn aus den Knien heraus unbedingt
dazu und vermittelt Neulingen einen guten Eindruck in die Grundstruktur
pontischer Tänze.
Omál bedeutet "gleichförmig", d.h. für
alle TänzerInnen steht der gemeinsame Tanz im Vordergrund,
was dem Einzelnen zwar minimale Spielarten bei den Schritten gestattet,
wo sich jedoch niemand durch ausgefallene Figuren o.Ä. besonders
hervortut.
NNeben dieser einfachen Form existiert noch eine Fülle von
regionalen Tänzen mit der Bezeichnung oder dem Beinamen "Omál",
die je nach Herkunftsregion jedoch eigenständige und völlig
verschiedene Tänze sein können.
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| Patúla
oder Pipilomátena
Dieser
einfache, leicht gehüpfte Frauentanz wurde im gesamten Pontosgebiet
getanzt. Pipilomátena ist ein Mädchen, das
kleine oder mandelförmige Augen hat ihm ist der Liedtext
gewidmet. Patúla ist ein weiblicher Kosename und
bedeutet "zart wie Schneeflocken" oder auch rundlich
oder mit lockigem Haar (nach dem türkischen Wort "patúl",
welches das wollige Fell eines Schafes bezeichnet).
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| Pyrrhíchios
oder Sérra oder Masér
Dies
ist der Tanz, der am deutlichsten von Mut und Taperkeit (Lewendiá)
der Pontier erzählt; er stellt den Höhepunkt der pontischen
Tänze dar. Er ist ein sehr alter, panhellenischer Kriegstanz,
der schon zu mythischen Zeiten bezeugt wird.
Strávonas, ein Geograf und Historiker des Altertums
aus Amásia, einer pontischen Stadt, nennt Neoptólemos,
den Sohn des Achilles, der auch unter dem Namen Pyrrhus
bekannt ist, den "Erfinder" des Tanzes. Xenophon,
der berühmte Philosoph und Feldherr, erwähnt ihn im
6. Buch der "Anábasis". Er erzählt von einem
Fest während der Heimreise vom Feldzug gegen den Großkönig
bei einer Rast im Pontos, bei dem Krieger aus verschiedenen Gegenden
Griechenlands Tänze in kriegerischer Tracht, mit Waffen,
viel Akrobatik und hohen Sprüngen darboten. Dort heißt
es: "Die Paphlagonier, die zusahen, hielten es für etwas
Außerordentliches, dass alle diese Tänze in Waffen
ausgeführt würden. Als der Myser sah, wie sie darüber
verblüfft waren, überredete einen Arkadier, der eine
Tänzerin besaß, und führte sie vor, nachdem er
sie aufs schönste ausstaffiert und ihr einen leichten Schild
gegeben hatte. Sie tanzte elegant die Pyrrhiche. Da klatschte
alles Beifall
".
Nach Platon bedeutet Pyrrhíchios "Waffentanz",
ein den Krieg symbolisierender Tanz, in dessen Verlauf Angriff
und Verteidigung dargestellt werden. Platon hielt es übrigens
für unerlässlich, dass sich Frauen und Mädchen
ebenso wie Männer und Knaben im Waffentanz und überhaupt
im Kriegswesen übten. Er macht darauf aufmerksam, "dass
es ungezählte Massen von Weibern gibt am Pontos, Sauromantinnen
genannt, denen ganz die gleichen Übungen und Leistungen wie
den Männern vorgeschrieben sind nicht nur im Reiten, sondern
auch im Bogenschießen und den übrigen Waffenkünsten".
(Platon, Gesetze, 7. Buch)
Damals wie heute wird der Pyrrhíchios auf zwei Arten und
(fast) nur von Männern getanzt. Bei der einen umkreisen sich
zwei mit Messern bewaffnete Männer mit tänzerischen
Bewegungen, sie ringen und versuchen, sich gegenseitig zu besiegen.
Diese Version wird bis heute unter der Bezeichnung "Masér"
(von griechisch "machéri" = Messer) getanzt.
Bei der zweiten Variante fassen sich die Krieger-Tänzer im
Reigen an den Händen. Sie sind bewaffnet und bereit zum gemeinsamen
Kampf. Diese Art des Pyrrhíchios wird heute unter der Bezeichnung
"Sérra" getanzt. "Sérra" wurde
er möglicherweise deshalb genannt, weil er an einem gleichnamigen
pontischen Flusses sehr verbreitet war (nahe der pontischen Stadt
Plátana).
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| Sampsón
Dieser
Tanz wurde in der Region Sampsón anstelle von Sérra
getanzt. Es ist ein sehr temperamentvoller Tanz, zu dem nur eine
bestimmte Melodie ohne Liedtext gehört. Das Tempo der Musik
wird kontinuierlich gesteigert, sodass die eigentlich recht einfachen
Schritte großes tänzerisches Können und viel Tanzerfahrung
verlangen, um bei dem hohen Schlusstempo noch mithalten zu können.
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| Saríkus
Der
Name dieses Tanzes kommt aus dem Türkischen und bedeutet
"blondes Mädchen", wobei einige Interpretationen
darauf hinauslaufen, dass das "blonde Mädchen"
den reifen Weizenhalm symbolisiere. Es ist ein ländlicher
Tanz mit symbolischen Bezügen zu Saat und Ernte von Getreide.
"Saríkus" war in vielen verschiedenen pontischen
Regionen unter dem selben Namen, manchmal jedoch mit unterschiedlicher
Musik bekannt (Kaukasus, Trapesúnt, Arjyrúpoli,
Heríena, Mbáphra u.a.).
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| Seranítsa
Die
Seranítsa ist ein sehr schneller, lebendiger Tanz vom südwestlichen
Pontos aus Seriánna, wovon auch der Name Serenítsa
abgeleitet ist. Eine hübsche allerdings historisch
nicht belegte Interpretation des Namens des Tanzes läuft
darauf hinaus, dass sich darin ein Gruß an Königin
Anna verstecke: "Hérete i Annítsa" entspricht
"gegrüßt sei Annitsa" (die Koseform von Anna)
damit wäre der Tanz zu Ehren der Königin Anna
aufgeführt worden.
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| Tik
Dieser
von Männern und Frauen getanzte Tanz ist einer der originärsten
und bekanntesten Pontos-Tänze. Schon der Name "Tik"
(zu deutsch: aufrecht) drückt den Mut, die Tatkraft ("Lewendiá")
und den Stolz der pontischen Seele aus. Der Tanz wird sehr "tik"-aufrecht
getanzt. Charakteristisch ist die deutliche Betonung, fast eine
Unterbrechung (spásimo) in der Bewegung, die aus dem Knie
heraus bei allen Schritten getanzt wird.
Tik gibt es in unterschiedlichen Tempi und Variationen. Die verbreitetsten
reichen vom recht langsam und behäbigen"Tik Argón"
(der eine leichte Steigerung des Tempos im zweiten Teil aufweist)
und dem "Tik so gónaton" (Knie-Tik mit betontem
Beugen der Knie) über den flotteren "Tik diplón"
(doppelter Tik) bis hin zum sehr schnellen und temperamentvollen
"Tik tromachtón" (zitternder oder bebender Tik),
dem die Musik ein so hohes Tempo vorgibt, dass die Schritte winzig
klein und fast nur noch aus den Knien heraus getanzt werden können
und dabei der ganze Körper erbebt. Dieser schnelle Tik bildet
den Grundschritt zum kriegerischen Tanz "Sérra".
Darüber hinaus sind noch viele regionale Variationen des
Tik bekannt.
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| Trygóna
Dieser Bauerntanz
wurde im gesamten Pontos getanzt. Die Nachforschungen über
diesen Tanz führen bis zu den dionysischen Festen der Antike
anlässlich der Ernte und der Weinlese. Hinweise für diesen
Zusammenhang sind
- der Name des Tanzes selbst;
- der Beginn des Tanzes, der an den Bühnenauftritt der Tänzer
antiker Aufführungen erinnert;
- die Zweizeiler des Liedes "Trygóna" haben
ein bestimmtes Versmaß (Tetrameter). Die Betonung der
ersten Silbe entspricht einem Charakteristikum dionysischer
Gedichte (Dithiramben = kunstvolle Reigenlieder des Dionysos).
Aus heutiger Sicht waren dies oft ordinäre, vulgäre
Lieder zur Weinlese. Diese ordinären und vulgären
Elemente sind jedoch verloren gegangen; erhalten geblieben sind
dagegen die satyrischen Texte;
- die Bewegungen der Arme und Beine, die das Sammeln und Treten
der Trauben symbolisieren.
Nach einer anderen Interpretation symbolisiert der Tanz "Trygóna"
das Holzsammeln. Diese Version stützt sich auf den Textinhalt
einiger der Dithiramben. |
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